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Der historische Ort
Das SA-Gefängnis Papestraße befand sich auf einem ehemaligen Kasernengelände der preußischen Eisenbahntruppen in Berlin-Schöneberg. Dort, im heutigen Gebäude Werner-Voß-Damm 54a, hatte die SA-Feldpolizei von März bis Dezember 1933 ihr Quartier. Die Keller des Hauses dienten in dieser Zeit als Haftstätte. Seit die Eisenbahntruppen nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst worden waren, nutzten außer der SA-Feldpolizei verschiedene Behörden, Gewerbetreibende und auch Wohnungsmieter die Gebäude.
 
 
Eisenbahnregiment Nr. 2
Eisenbahnregiment Nr. 2 in Paradeaufstellung, 1902.
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Kasernen in der General-Pape-Straße
Kasernen in der General-Pape-Straße. Postkarte, um 1910.
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Einberufene Zivilisten
Einberufene Zivilisten vor der Landwehrinspektion, 1914.
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Blick auf das Kasernengelände
Blick auf das Kasernengelände. Postkarte, um 1914.
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Schöneberger Militärgebiet

1874/75 entstanden im Nordosten von Schöneberg am Bahneinschnitt der Berlin-Anhalter Bahn die ersten Militärbauten für das neu aufgestellte 1. Eisenbahnregiment der preußischen Armee. Die Eisenbahntruppe, die fortwährend vergrößert wurde, war zuständig für die Ausbildung militärischen Bahnpersonals, das im Kriegsfall Truppentransport und Nachschubversorgung sicherzustellen hatte.

1892 und dann ab 1905 erfolgte deshalb unmittelbar östlich der Bahntrasse der Bau zweier großer Kasernenbereiche für zusätzliche Eisenbahnregimenter. Das heutige Gebäude Werner-Voß-Damm 54a, in dem die SA-Feldpolizei einquartiert war und das von ihr als Haftstätte verwendet wurde, diente um 1908 als Unteroffizierskasino.

1894 hatte die Militärverwaltung direkt nördlich dieser Kasernen einen Gebäudekomplex für die Landwehrinspektion und die Bezirkskommandos errichten lassen. Damit wurde die heutige General-Pape-Straße bis zum Ersten Weltkrieg die zentrale Adresse für die Einberufung der Rekruten aus Berlin und den angrenzenden Landkreisen.

Zivile Nutzung während der Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Eisenbahntruppen ebenso wie die Landwehrinspektion und die Bezirkskommandos aufgelöst. Das weitläufige Kasernengelände an der General-Pape-Straße blieb in staatlichem Besitz.

1921 war das Hauptversorgungsamt in den ehemaligen Militärbauten. Die neugeschaffene Behörde regelte die Rentenzahlungen an die vielen Kriegsopfer oder deren Hinterbliebene. Außerdem oblag ihr die gesundheitliche Betreuung der zahlreichen Kriegsversehrten in Berlin-Brandenburg und Pommern. Als Mitte der 20er Jahre die Tätigkeit der Versorgungsämter zurückging, nutzen andere Behörden wie die Finanzämter Teltow und Tempelhof sowie Gewerbetreibende die Gebäude.

Was in dieser Zeit mit dem Gebäude Werner-Voß-Damm 54a geschah, ist nicht bekannt. Anfang 1932 erhielt es die völkisch-protestantische »Christliche Kampfschar«, geleitet vom deutsch-baltischen Baron Wilhelm von der Ropp, und nutzte es bis zur Übernahme durch die SA-Feldpolizei als Wohn- und Schulungsheim für arbeitslose Jugendliche. Auch für die anschließenden Jahre 1934 bis 1946 fehlen bisher Angaben zum Gebäude.

Da der heutige Werner-Voß-Damm erst nach dem Zweiten Weltkrieg als Verbindung zur General-Pape-Straße angelegt wurde, endete diese damals am S-Bahnhof Papestraße als Sackgasse. Auf eine Initiative von Bewohnern der benachbarten Gartenstadt Tempelhofer Feld wurde jedoch 1931 ein Fußweg entlang der alten Kasernenmauern zum S-Bahnhof angelegt. Dort gab es von 1931 bis 1934 auch einen kleinen Wochenmarkt. Die Umgebung des ehemaligen SA-Gefängnises Papestraße war ein belebter Ort. 1938 ordnete die Verwaltung das vormals Schöneberger Gebiet östlich der Eisenbahntrasse dem Bezirk Tempelhof zu.

Nach 1945: Kriegsschäden und Zweckbauten

1944/45 erlitt das Kasernengelände starke Kriegsschäden, so dass nach Kriegsende einige Gebäude abgetragen wurden. Das weniger beschädigte Haus Werner-Voß-Damm 54a konnte wiederhergestellt werden. Im Haus befanden sich kleinere Gewerbebetriebe und eine Großküche, die im Winter 1947/48 als bezirkliche Wärmestube geöffnet war.

Das Erscheinungsbild des Geländes änderte sich durch zwei Kleingartenkolonien, die 1946 auf den Kasernenhöfen entstanden, und verschiedene neu errichtete Zweckbauten. Neben zahlreichen Firmen nutzten erneut Behörden und Institutionen die Gebäude, unter anderen das Versorgungsamt, ein Flüchtlingsheim des Deutschen Roten Kreuzes und das Robert Koch-Institut. Besitzer des Geländes ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.