Geschichte > Inhaftierte
Inhaftierte
Nach vorsichtigen Schätzungen waren im SA-Gefängnis Papestraße von März bis Dezember 1933 mindestens
2000 Menschen inhaftiert. Durch langjährige Recherchen konnten inzwischen die Namen von über 400 Inhaftierten ermittelt werden.
Die Verhafteten kamen aus allen Bezirken Berlins, doch es gab auch einen deutlich erkennbaren lokalen Bezug nach Schöneberg.
Wieviele Häftlinge insgesamt in der Papestraße umgebracht wurden, ist bis heute nicht genau bekannt. Zu 20 Ermordeten liegen inzwischen
genauere Angaben vor, zu weiteren existieren Hinweise.
Fritz Fränkel (1892–1944), Arzt und Psychologe.
Kurzbiographie
Kurzbiographie
Gedenktafel der Kommunistin Minna Fritsch (1889–1946).
Kurzbiographie
Kurzbiographie
Erik Jan Hanussen (1889–1933), Magier und Hellseher.
Kurzbiographie
Kurzbiographie
Werner Ilberg (1896–1978), Schriftsteller.
Kurzbiographie
Kurzbiographie
Krankenblatt des Journalisten Leo Krell (1906–1933).
Kurzbiographie
Kurzbiographie
Erfassung durch Nummern
Ein wichtiger Anhaltspunkt für die Gesamtzahl der Inhaftierten sind die Gefangenennummern, mit denen die Häftlinge von der SA-Feldpolizei registriert wurden. Nach Aussagen ehemaliger Inhaftierter gab es diese Erfassung jedoch nicht immer. Am 16. März 1933 erhielt Leo Krell als einer der ersten Verhafteten mit der 45 die bisher niedrigste nachgewiesene Nummer. Die bisher höchste aufgefundene Nummer ist die 1842, die der Häftling Karl Klötzer Ende November 1933 erhielt.
Bekannte Namen
Unter den Inhaftierten finden sich viele KPD- und SPD-Mitglieder, Gewerkschafter und auch jüdische Ärzte und Rechtsanwälte. Darunter waren Persönlichkeiten wie der sozialdemokratische Schöneberger Stadtrat Franz Czeminski, der Arzt und Neurologe Fritz Fränkel, der Redakteur der »Roten Fahne« Erich Gentsch, der Neurologe und Psychoanalytiker Kurt Goldstein, der Hellseher Jan Erik Hanussen, der Kaufhausbesitzer Wilfried Israel und der Katholik Erich Klausener, Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium.
Insbesondere in den ersten beiden Monaten nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten richtete sich der Aktionismus der SA-Kommandos gegen die Exponenten des fortschrittlichen gesellschaftlichen Wandels in der Weimarer Republik: Max Sievers, der Vorsitzende des Freidenker-Verbandes wurde nach der Besetzung seines Verbandshauses durch die SA im März in den Haftkellern der Papestraße inhaftiert. Ebenso Max Ebel, der bei der Besetzung des Hauptverbandes der deutschen Krankenkassen, wo er als Geschäftsführer für die Berliner ärztlichen Ambulatorien tätig war, verhaftet wurde. Max Ebel starb kurz danach unter ungeklärten Umständen im SA-Gefängnis Papestraße.
Massenverhaftungen und Denunziationen
Im Frühjahr 1933 kam es vielfach zu Massenverhaftungen. Im März wurden eine Gruppe von Bewag-Betriebsräten und etliche Angestellte des Arbeitsamtes Friedrichhain während ihrer Tätigkeit verhaftet und in der Papestraße festgehalten. Im April wurde auch nahezu der gesamte Genossenschaftsvorstand der Schöneberger Lindenhof-Siedlung – darunter Franz Czeminski – dort eingeliefert. Im selben Monat führten die antijüdischen Maßnahmen und die Aufdeckung einer Schöneberger KPD-Gruppe zu vielen Inhaftierungen. Als im Mai 1933 während der Auflösung der Gewerkschaften auch das Verbandshaus der Textilarbeiter von der SA besetzt wurde, war der Gewerkschaftsvorsitzende Martin Plettl unter denen, die in die Papestraße gebracht wurden. Die Verhaftungsaktionen setzten sich das Jahr über fort: noch im September und Oktober 1933 kamen größere Gruppen von KPD-Mitgliedern der Bezirke Reinickendorf und Prenzlauer Berg in das SA-Gefängnis Papestraße.
Den Aktionen der Feldpolizei fielen manchmal auch Denunzierte zum Opfer. So wurde etwa Gerhard Rosenbaum zusammen mit seinem jüdischen Vater, einem Hausverwalter aus Schöneberg, im März 1933 aufgrund von Beschuldigungen eines Hausbewohners verhaftet und ins Gefängnis Papestraße gebracht. Arno Philippsthal, ein in Biesdorf niedergelassener jüdischer Arzt, kam im gleichen Monat, vermutlich ebenfalls aufgrund einer Denunziation, in die Haftkeller der SA-Feldpolizei. Der junge Rosenbaum und Arno Philippsthal starben beide an den dort erlittenen Misshandlungen.
Auch Frauen wurden inhaftiert
Anders als in vergleichbaren Haftstätten der NS-Frühzeit waren im SA-Gefängnis Papestraße auch Frauen inhaftiert. Die Widerstandskämpferin Minna Fritsch, Mitglied der KPD, war eine von ihnen. Die Frauen wurden von den Männern getrennt in einem Kellerraum festgehalten. Ebenso existierte für Angehörige der SA und NSDAP, die wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Dienstvergehen einsaßen, ein eigener Haftraum.
Wir können auf dieser Seite aus der Vielzahl der Häftlinge nur einige Namen nennen und nur wenige biographische Hinweise geben. Weitere Informationen zu den bisher namentlich bekannten Inhaftierten soll es vor Ort in der geplanten Gedenkstätte geben.
Ein wichtiger Anhaltspunkt für die Gesamtzahl der Inhaftierten sind die Gefangenennummern, mit denen die Häftlinge von der SA-Feldpolizei registriert wurden. Nach Aussagen ehemaliger Inhaftierter gab es diese Erfassung jedoch nicht immer. Am 16. März 1933 erhielt Leo Krell als einer der ersten Verhafteten mit der 45 die bisher niedrigste nachgewiesene Nummer. Die bisher höchste aufgefundene Nummer ist die 1842, die der Häftling Karl Klötzer Ende November 1933 erhielt.
Bekannte Namen
Unter den Inhaftierten finden sich viele KPD- und SPD-Mitglieder, Gewerkschafter und auch jüdische Ärzte und Rechtsanwälte. Darunter waren Persönlichkeiten wie der sozialdemokratische Schöneberger Stadtrat Franz Czeminski, der Arzt und Neurologe Fritz Fränkel, der Redakteur der »Roten Fahne« Erich Gentsch, der Neurologe und Psychoanalytiker Kurt Goldstein, der Hellseher Jan Erik Hanussen, der Kaufhausbesitzer Wilfried Israel und der Katholik Erich Klausener, Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium.
Insbesondere in den ersten beiden Monaten nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten richtete sich der Aktionismus der SA-Kommandos gegen die Exponenten des fortschrittlichen gesellschaftlichen Wandels in der Weimarer Republik: Max Sievers, der Vorsitzende des Freidenker-Verbandes wurde nach der Besetzung seines Verbandshauses durch die SA im März in den Haftkellern der Papestraße inhaftiert. Ebenso Max Ebel, der bei der Besetzung des Hauptverbandes der deutschen Krankenkassen, wo er als Geschäftsführer für die Berliner ärztlichen Ambulatorien tätig war, verhaftet wurde. Max Ebel starb kurz danach unter ungeklärten Umständen im SA-Gefängnis Papestraße.
Massenverhaftungen und Denunziationen
Im Frühjahr 1933 kam es vielfach zu Massenverhaftungen. Im März wurden eine Gruppe von Bewag-Betriebsräten und etliche Angestellte des Arbeitsamtes Friedrichhain während ihrer Tätigkeit verhaftet und in der Papestraße festgehalten. Im April wurde auch nahezu der gesamte Genossenschaftsvorstand der Schöneberger Lindenhof-Siedlung – darunter Franz Czeminski – dort eingeliefert. Im selben Monat führten die antijüdischen Maßnahmen und die Aufdeckung einer Schöneberger KPD-Gruppe zu vielen Inhaftierungen. Als im Mai 1933 während der Auflösung der Gewerkschaften auch das Verbandshaus der Textilarbeiter von der SA besetzt wurde, war der Gewerkschaftsvorsitzende Martin Plettl unter denen, die in die Papestraße gebracht wurden. Die Verhaftungsaktionen setzten sich das Jahr über fort: noch im September und Oktober 1933 kamen größere Gruppen von KPD-Mitgliedern der Bezirke Reinickendorf und Prenzlauer Berg in das SA-Gefängnis Papestraße.
Den Aktionen der Feldpolizei fielen manchmal auch Denunzierte zum Opfer. So wurde etwa Gerhard Rosenbaum zusammen mit seinem jüdischen Vater, einem Hausverwalter aus Schöneberg, im März 1933 aufgrund von Beschuldigungen eines Hausbewohners verhaftet und ins Gefängnis Papestraße gebracht. Arno Philippsthal, ein in Biesdorf niedergelassener jüdischer Arzt, kam im gleichen Monat, vermutlich ebenfalls aufgrund einer Denunziation, in die Haftkeller der SA-Feldpolizei. Der junge Rosenbaum und Arno Philippsthal starben beide an den dort erlittenen Misshandlungen.
Auch Frauen wurden inhaftiert
Anders als in vergleichbaren Haftstätten der NS-Frühzeit waren im SA-Gefängnis Papestraße auch Frauen inhaftiert. Die Widerstandskämpferin Minna Fritsch, Mitglied der KPD, war eine von ihnen. Die Frauen wurden von den Männern getrennt in einem Kellerraum festgehalten. Ebenso existierte für Angehörige der SA und NSDAP, die wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Dienstvergehen einsaßen, ein eigener Haftraum.
Wir können auf dieser Seite aus der Vielzahl der Häftlinge nur einige Namen nennen und nur wenige biographische Hinweise geben. Weitere Informationen zu den bisher namentlich bekannten Inhaftierten soll es vor Ort in der geplanten Gedenkstätte geben.




